Die Vorbereitung auf das Erste Theologische Examen ist eine lange und anspruchsvolle Phase, die sehr belastend sein kann. Neben dem geprüften fachlichen Wissen spielen das eigene Arbeitsverhalten, realistische Planungen und ausreichende Motivation eine entscheidende Rolle.
Die folgenden Hinweise sollen euch dabei helfen, die Vorbereitungszeit strukturierter, gesünder und damit hoffentlich erfolgreich zu gestalten.
Lerntipps
1 Arbeitsverhalten: Den eigenen Lernalltag beobachten
Für die lange Zeit des Examens ist es hilfreich zu wissen, wie man den eigenen Lernalltag effektiv und produktiv gestaltet. Manche haben dies vielleicht schon in den Studienjahren zuvor herausgefunden, bei anderen kann es helfen über einen begrenzten Zeitraum hinweg das eigene Lernverhalten bewusst zu dokumentieren – nicht zur Selbstkontrolle, sondern zur Selbstwahrnehmung. Ziel ist esdie eigenen Muster besser zu erkennen:
- Wann und wie arbeite ich konzentriert?
- Welche Tätigkeiten kosten mich besonders viel Energie?
- Wo verliere ich Zeit oder Motivation?
2 Planung der Examenszeit
Wer sich entscheidet, das Erste Theologische Examen zu absolvieren, sollte sich frühzeitig eine grobe Jahresplanung verschaffen und dort Abgabefristen und Prüfungsdaten notieren. Ergänzt werden sollte dies durch weitere größere oder zeitlich intensive Termine sowie – für diejenigen, die nach dem Examen in das Vikariat starten – mit den Fristen und Terminen zur Anmeldung für den Vorbereitungsdienst.
So bekommt man einen Überblick darüber
- zu welchen Zeiten man besonders gestresst und gefordert sein wird,
- und wann dringend benötigte Pausen möglich und nötig sind.
Die Lern- und Arbeitszeit im Examen wird erleichtert, wenn es gelingt, bereits vor der Anmeldung zum, beziehungsweise dem Start des Examens alle Repetitorien besucht zu haben oder wenn man das Privileg hat wenig oder gar nichts arbeiten zu müssen.
Realistisch Planen
Bei der Planung des Lernstoffes ist es wichtig realistisch zu bleiben. Wer sich zu viel vornimmt, verliert schnell die Motivation. Besonders in den Schreibzeiten der Wissenschaftlichen Hausarbeit und der Predigtarbeit (oder des Unterrichtsentwurfes) bleibt in der Regel keine Zeit zum zusätzlichen Lernen. Neben der Jahresplanung können daher für die konkrete Planung des Lernstoffes Tages- und Wochenziele hilfreich sein. Denn detaillierte, Langzeit-Mega-Pläne schaden möglicherweise dem Durchhaltevermögen und dem Versuch geistig gesund zu bleiben. Plant euch bewusst Pufferzeiten ein, denn Krankheit, Erschöpfung oder anderes Unerwartetes gehören zu fast jeder Examenszeit dazu.
3 Lernorte, -zeiten und Konzentration
Finde heraus, wie und wo du gut lernst:
- Hilft dir die Atmosphäre in der Bibliothek umgeben von Büchern und mit anderen?
- Lernst du besser allein zu Hause?
- Gibt es einen guten Lernort bei den Eltern, bei Freund:innen, in der Heimatgemeinde oder bei deiner Pfarrperson?
Auch die Lernzeit spielt eine wichtige Rolle:
- Zu welcher Tageszeit bist du aufnahmefähigsten, motiviertesten und produktivsten?
- Was lenkt dich ab? (Tipp: Für Handys gibt es hilfreiche, gamifizierte Fokus-Apps.)
Es ist ein alter Hut Lernzeit klar von Freizeit und anderer Arbeitszeit, zum Beispiel Haushalt zu trennen, aber eine Runde staubsaugen oder spülen kann sehr gut helfen in einer Lernpause den Kopf freizubekommen.
Praktische Hinweise für den Lernalltag
- Arbeite mit klar begrenzten Zeiteinheiten, zum Beispiel kurzen von 10-20 Minuten, mittleren von 30-60 Minuten oder langen von 60-90 Minuten.
- Wechsle Themen oder Methoden, wenn die Konzentration nachlässt.
- Akzeptiere, dass nicht jeder Tag gleich produktiv ist.
- Schwierige Texte oder Themen dürfen auch einmal liegen bleiben und später neu angegangen werden.
4 Lerngruppen
Bilde Lerngruppen! Dabei geht es nicht (nur) um den fachlichen Austausch oder gegenseitige Tipps, sondern vielmehr auch darum sich gemeinsam aufregen zu können und zu lästern, um sich gegenseitig zu beraten, miteinander zu leiden. Es geht einfach darum nicht allein zu sein im Examen. Die Erfahrung, wie es ist im Examen zu sein, verstehen am besten diejenigen, die gerade mit dir im Examen sind. Gemeinschaft trägt und hilft dabei nicht zu verzweifeln.
5 Mentale Gesundheit ernst nehmen
Die Examensphase kann psychisch stark belasten. Erschöpfung, Selbstzweifel und Angst sind keine individuellen Schwächen, sondern häufige Begleiterscheinungen. Achte auf dich!
- Nimm Warnsignale ernst (anhaltende Überforderung, Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit).
- Nutze Beratungsangebote an den Universitäten, in Kirche oder unabhängige Beratungsstellen.
- Sprich mit Kommiliton:innen, Vertrauenspersonen oder Mentor:innen.
Es kann gut vorkommen, dass man sich einbildet, viel schlechter zu sein als man ist, oder fest davon überzeugt ist, durch Prüfungen gefallen zu sein. Stress und die Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung können sehr zusetzen.
Findet Wege, diese Sorgen zu teilen und sie auch wieder abgeben zu können. Wir haben es alle durch das lange und anspruchsvolle Studium bis hin zum Examen geschafft – dann ist auch das Examen machbar.
Und wie immer gilt: Das Examen zu bestehen ist eine echt gute Leistung. Und eine gute ist praktisch schon sehr gut.
6 Zum Schluss
Es gibt nicht den einen richtigen Weg durch die Examensvorbereitung. Entscheidend ist, einen Weg zu finden, der zu den eigenen Lebensumständen, Arbeitsweisen und Grenzen passt. Anpassungen unterwegs sind kein Scheitern, sondern Teil eines verantwortungsvollen Umgangs mit sich selbst und mit den Umständen, die man nicht ändern kann.